Welche Alternativen gibt es zur Anbindung von Querum

Wie oben dargelegt, ist die Anbindung Querums über eine Querung der Wabe- Mittelriedeauen mit anderen Anbindungsmöglichkeiten abzuwägen, die den gleichen Nutzen bringen: die bessere Anbindung Querums an das ÖPNV-Netz der Stadt. Dabei sind die Verbindungen zu den drei offensichtlichen Hauptdestinationen Innenstadt, Hauptbahnhof und Wolfsburg zu optimieren. Dazu sehen wir große Potentiale: Eine Schlüsselrolle spielt die Stärkung des Verkehrsknotens „Bahnhof Gliesmarode“. Wir sehen drei wesentliche Punkte:

  1. Optimierung des Anschlusses der vorhandenen Buslinien an Straßenbahn und Regionalbahn, um die Umsteige-/Wartezeiten zu minimieren.

    • Durch Anpassung des Fahrplans der aktuellen Buslinie 433 an die Abfahrtzeiten der Straßenbahn an der Haltestelle „Querumer Straße“ oder „Bhf. Gliesmarode“ Richtung Innenstadt ließe sich die Fahrzeit von Querum zum Rathaus von heute 19 Minuten auf 14 Minuten (12 Minuten reine Reisezeit) reduzieren. Durch die bauliche Aufwertung des Umsteigebahnhofes und die bereits umgesetzte höhere Taktung der Straßenbahn wird diese direkte Verbindung in die Stadt bereits unterstützt.
    • Durch Anpassung des Fahrplans der aktuellen Buslinie 433 an die Abfahrtzeiten der Regionalbahn von „Bhf. Gliesmarode“ zum Hbf. Braunschweig ließe sich die Fahrtzeit von Querum zum Hauptbahnhof von heute 19 Minuten auf bis zu 14 Minuten reduzieren, was z. B. zu einer kürzeren Reisezeit nach Wolfsburg führen würde. Dadurch würde zu den Stoßzeiten eine reale Alternative zum Auto entstehen.

    Notwendig wäre ein Abgleich der Abfahrtszeiten der Regionalbahn am Bhf. Gliesmarode an den Bus von Querum zum Bhf.. Gliesmarode und eine Erhöhung des Taktes dieser Verbindung.

  2. Optimierung der Fahrtzeiten von Querum zum Bhf. Gliesmarode. Hier sehen wir zwei Möglichkeiten:

    • Stadtbahnanschluss über die Querumer Straße (aktuell abgelehnte C-Varianten): Zwar ist entsprechend der obigen Ausführungen diese Variante seitens der Verwaltung ausgeschlossen worden, würde sie aber für die Erschließung Querums großes Potential bieten.
    • Eine Stärkung des Busanschlusses über die Querumer Straße über einen Zubringer: Eine reine Zubringer-Buslinie zum Gliesmaroder Bahnhof mit den oben genannten Vorteilen für Umstiege in alle Richtungen ist denkbar und könnte in kurzem Takt Querum vom Peterskamp über den Ortskern effektiv an die Straßenbahn und Regionalbahn anschließen. Hierfür ist keine neue Infrastruktur nötig, sondern es werden bestehende Strukturen optimal miteinander verknüpft. Die baulichen Änderungen am Bahnhof Gliesmarode ermöglichen das Wenden eines solchen Zubringerbusses. In der Neugestaltung der Bevenroder Straße und der Querumer Straße liegt großes Potential, um den Busverkehr von Querum zum Bhf. Gliesmarode unabhängiger und somit störungsfreier vom motorisierten Individualverkehr zu führen. In diesem Zuge sollte eine neue Entkopplung des Busverkehrs unbedingt in Betracht gezogen werden. Auch könnte z. B. durch einen „Ringverkehr“ in Querum eine bessere Anbindung der einzelnen Wohngebiete von Holzmoor Nord bis Schunterterrassen und LivingQ erreicht werden, ebenso der IGS Querum und auch der nördlich der Schunter gelegenen Wohnquartiere und Stadtteile.
(Anbindung des Braunschweiger Nordosten über den Gliesmaroder Bhf. und Bahnhof Zubringer - Zusammenspiel von BSVG und Bahn (Karte im Hintergrund: Map, 2021))
  1. Stärkere Einbeziehung der Gleisanlagen der Regionalbahn in die Überlegungen. Laut Auskunft des Regionalverbandes ist ein weiterer Ausbau der Regionalbahntrasse geplant. Auch weitere Zu- und Ausstiegsmöglichkeiten sind in der Planung - z. B. wurde als ein möglicher neuer Haltepunkt der alte Querumer Bahnhof genannt. Solche Haltepunkte sind wünschenswert. Wir sehen folgende Potentiale im Ausbau der Regionalbahntrasse:

    • Neue Zu-/ Ausstiegsmöglichkeiten z. B. im Bereich Ottenroder Straße (näher am Ortszentrum Querum als der alte Querumer Bahnhof), Steinriedendamm und Bienrode
    • Nutzung der Trasse nicht nur durch Züge, die von Braunschweig nach Uelzen fahren, sondern auch durch zusätzliche Züge, die den innerstädtischen Verkehr vom Hauptbahnhof bis Bienrode mit mehr Haltepunkten und höherer Taktung (zwischen den überregionalen Zügen) bereichern.
    • Stärkung des Park- & Ride-Angebotes durch Zu-/Ausstiegsmöglichkeit und Parkplätze im Bereich Bienrode mit sehr guter Anbindung an die A2, um den Durchgangsverkehr durch Querum zu reduzieren.

Zusammenfassend lassen sich folgende exemplarischen Fahrzeitänderungen realisieren:

Heute (stand 02/2021) Mit Zubringer-Konzept
Querum – Rathaus 19 Minute 1 14 Minuten 2
Querum – Hbf. Braunschweig 19 Minuten 3 14 Minuten 4
Querum - Hbf. Wolfsburg 46 Minuten (Bus & Bahn) 5
58 Minuten (Bus) 6
35 Minuten 7

Fazit

Die derzeit untersuchte Verlängerung der geplanten Campusbahn nach Querum führt durch geschützte und sensible Naturbereiche, in die Betontrassen gezogen werden sollen. Hierdurch wird ein einzigartiges stadtnahes Ökosystem stark ge- oder sogar zerstört. Dem muss ein hoher Nutzen in Form von Bedarfen und Fahrzeitverbesserungen / Angebotsverbesserungen gegenüberstehen. In unserer Analyse konnten wir diese z. B. durch deutliche Fahrzeit- und Angebotsverbesserungen nicht feststellen, insbesondere würden aber die Hauptdestinationen Innenstadt, Bahnhof und Wolfsburg in keiner Weise besser bedient. Vielmehr hat sich der Nutzen einer starken busgebundenen Anbindung von Querum an den Gliesmaroder Bahnhof mit seinen Umsteigemöglichkeiten zur schnell getakteten Straßenbahn Richtung Innenstadt und zur Regionalbahn als Bindeglied zum Hauptbahnhof als ein zukunftsfähiges Konzept bestätigt. Im Zuge der anstehenden Neugestaltung der Bevenroder- und Querumer Straße sollte somit unbedingt eine bevorzugte Behandlung des Busverkehrs zwischen Querum und dem Bhf. Gliesmarode ermöglicht werden, die zu einer störungsfreien und vom motorisierten Individualverkehr so weit wie möglich entkoppelten Linienführung führt.

Damit wären die durch die Campusbahn in Verbindung mit der A-Variante versprochene bessere Anbindung von Querum einfach und naturverträglich umgesetzt und es müsste zu keiner zusätzlichen Landversiegelung von intakten Naturbereichen kommen.

Unsere Abwägung bringt uns zu dem Ergebnis, dass die Trassenführung der A-Varianten keinen so großen Vorteil für den Öffentlichen Personennahverkehr bringt, als dass in die Belange des Naturschutzes und der Naherholung für die Bürger so massiv eingegriffen werden darf. Die von uns dargestellte Alternative mit starkem Zubringer zum Gliesmaroder Bhf. zeigt hingegen auf, wie die Bedürfnisse nach ÖPNV und Naturschutz hervorragend miteinander verbunden werden können.

Eine Argumentation, dass z. B. die Campusbahn nur bezuschusst werden könnte, wenn die Baukosten für die Brücke nach Querum hinzukämen, darf nie ein Grund für eine Straßenbahnverlängerung auf Kosten des Naturschutzes und der Bürger-Naherholung sein, für die es keinen begründeten Bedarf gibt.


  1. Essener Straße – Rathaus mit Bus 413 ↩︎

  2. Essener Straße – Rathaus mit Zubringer (5 Min), Umsteigezeit (2 Min) und STR 3 (7 Min) ↩︎

  3. Essener Straße – Hbf. Braunschweig mit Bus 413 (12 Min), Umsteigezeit (2 Min) und Bus 411 (5 Min) ↩︎

  4. Essener Straße – Hbf. Braunschweig mit Zubringer (5 Min), Umsteigezeit (3 Min) und erx RB47 (6 Min) ↩︎

  5. Essener Straße - Bhf. Wolfsburg mit Bus 413 (12 Min), Umsteigezeit (2 Min), Bus 411 (5 Min), Umsteigezeit (8 Min), RE50 (19 Min) ↩︎

  6. Essener Straße - Bhf. mit Fußweg (11min) und Regiobus 230 (47min) ↩︎

  7. Essener Straße - Bhf. Wolfsburg mit Zubringer (5 Min), Umsteigezeit (3 Min), erx RB47 (6 Min), Umsteigezeit (2 Min), RE50 (19 Min) ↩︎

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