Wohnraumbedarf

Textstellen

Begründung, Abschnitt 3, Seite 8

Auf der Basis der neusten Wohnungsprognose der Stadt Braunschweig vom September 2019 (InWis Forschung und Beratung GmbH, Bochum) wird je nach Variante der Bevölkerungsentwicklung ein weiterer Bedarf an Wohnraum bis 2030 von knapp 5.000 bis maximal 10.650 Wohneinheiten ermittelt. Der mittlere Bedarf beträgt demnach ca. 8.000 Wohneinheiten, von denen ein Großteil im Zeitraum bis 2025 benötigt wird.

Anmerkungen

Diese grundlegende Basis für die Rechtfertigung der hohen Bebauungsdichte muss in Frage gestellt werden. Das hier referenzierte Gutachten geht von einer in der folgenden Darstellung aufgezeigten Bevölkerungsentwicklung aus.

Angenommene Bevölkerungsentwicklung für Braunschweig gemäß InWIS-Gutachten („Wohnungsbedarfprognose für die Stadt Braunschweig“ , InWIS, 2019, S. 51, Abbildung 34: „Bevölkerungsprognose für Braunschweig im Vergleich“)
Angenommene Bevölkerungsentwicklung für Braunschweig gemäß InWIS-Gutachten („Wohnungsbedarfprognose für die Stadt Braunschweig“ , InWIS, 2019, S. 51, Abbildung 34: „Bevölkerungsprognose für Braunschweig im Vergleich“)

Im Gutachten werden schließlich folgende Wohnungsbedarfe ermittelt: (Hinweis: Hierbei steht die erste Zahl jeweils für die Bevölkerungsentwicklung gemäß der städtischen Prognose und die zweite Zahl für die Bevölkerungsentwicklung gemäß der CIMA Basisvariante.) „Kurzfristig (bis 2025) ist für 3.100 bis 8.850 Wohneinheiten und mittelfristig (2025-2030) 1.750 bis 1.800 Wohneinheiten Baurecht zu schaffen. Geht man von einer optimistischen Sicht auf die künftige Bevölkerungsentwicklung aus, wird sich der Bedarf eher in Richtung der oberen Zielzahlen bewegen.“ („Wohnungsbedarfprognose für die Stadt Braunschweig“ , InWIS, 2019, S. 11)

Die neuesten statistischen Zahlen der Stadt Braunschweig zeigen ganz klar, dass von den unteren Zielzahlen ausgegangen werden muss. Hier wird von einem Anstieg der Braunschweiger Bevölkerung von heute etwa 250.000 (4.000 Einwohner weniger als in der untersten Prognose aus 2017 angenommen) auf höchstens 256.000 im Jahr 2028 und nachfolgend wieder einem allmählichen Abfall der Bevölkerung auf unter 255.000 im Jahr 2035 ausgegangen. Selbst die Studierendenzahlen der TU Braunschweig sind ähnlich wie Entwicklung der Braunschweiger Bevölkerung seit mehreren Jahren auf gleichbleibendem Niveau bei etwa 20.000 Studierenden.

Das bedeutet also, dass höchsten ein Bedarf von 4.850 Wohnungen (3.100 + 1.750) und nicht wie in der Begründung formuliert von 8.000 Wohnungen besteht.

Die aktuell in Braunschweig in Realisierung, Entwicklung oder Planung befindlichen Baugebiete besitzen bereits ein Volumen von über 9000 Wohneinheiten. Hierbei sind z. B. die großen Areale der zukünftigen Bahnstadt noch nicht einmal enthalten.

Weiterhin ist festzustellen, dass das Projekt Holzmoor-Nord aktuell den größten Einzelposten an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern in ganz Braunschweig aufweist!

Auf eine Anfrage des Bezirksrates 112 antwortete Herr Leuer im Rahmen einer Stellungnahme am 18.03.2015, dass „eine Bebauung mit gereihten Stadthäusern und bis zu viergeschossigen Mehrfamilienhäusern geplant“ ist und im „Geltungsbereich des Bebauungsplans „Holzmoor – Nord“ … ca. 320 Wohneinheiten vorgesehen“ sind.

Im Rahmenplan für das Baugebiet vom 19.11.2015 werden dann bereits 535 Wohneinheiten als Ziel genannt und es heißt auf Seite 19 des Rahmenplans:

Diese verdrehte, kausale Verkettung (Erhöhung der Wohneinheiten, um eine noch nicht vorhandene und umstrittene Stadtbahntrasse wirtschaftlicher betreiben zu können) lässt die begründete Notwendigkeit der hohen Anzahl der Wohnungen mit „Wohnraumbedarf“ in einem äußerst kritischen Licht erscheinen.

Die Stadtbahn darf nicht zum Selbstzweck werden! Selbst wenn im günstigsten Fall zukünftig 20 % der Wege mit der Stadtbahn zurückgelegt werden sollten (aktuell besitzt der gesamte ÖPNV – Bus und Straßenbahn – in Braunschweig einen Anteil von 10 %), verbleiben 80% Mobilitätsbedarfe, die zwangsläufig entstehen und auf andere Weise abgewickelt werden müssen.

Legt man die offizielle Aussage aus der Bürgerversammlung zu Grunde („… man geht aktuell von einer durchschnittlichen Belegung von 2 bis 3 Personen je Haushalt aus.“) werden durch die Baugebiete Dibbesdorfer Straße Süd (ca. 500) und Holzmoor-Nord (ca. 1.500) in Summe bis zu 2.000 neue Einwohner hinzukommen. Querum selbst hat derzeit 4.000 Einwohner. Das ist eine Erhöhung um 50 % innerhalb nur weniger Jahre. Dies bedeutet eine erhebliche Veränderung dieses Stadtteils, die sich – bleibt diese in ihrer jetzigen Form bestehen – auf zahlreiche Aspekte nachteilig auswirken wird: gewachsener Stadtteilcharakter, Versorgung, Mobilität, usw. Diesen Aspekten wird mit diesem Bebauungsplan lediglich durch eine KiTa und die Erweiterung der Grundschule Rechnung getragen. Das ist in keinster Weise ausreichend! Zudem ist es nicht vereinbar mit den Zielen des ISEK und nicht vereinbar mit einer verantwortungsbewussten Stadtentwicklung. Siehe hierzu auch die weiteren Ausführungen unter dem Punkt „Kompakte Stadt“.

Forderung

Wir fordern die Politik auf, die Notwendigkeit der Anzahl der Wohnungen im Baugebiet Holzmoor-Nord zu hinterfragen (zahlreiche Baugebiete und die reale Bevölkerungsentwicklung zeigen diese Notwendigkeit nicht auf) und die Auswirkungen auf den Stadtteil Querum zusammen mit den Querumer Bürgern intensiv zu beleuchten, um gemeinsam Lösungen zu finden.

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