Wohnraumverdichtung, Verkehr, Kompatibilität

Sehr geehrte Damen und Herren, ich sehe in dem Bebauungsplan Schwierigkeiten hinsichtlich der Notwendigkeit und der Zulässigkeit nach §34 der enormen Wohnraumverdichtung in Querum durch die große Zahl an neuen Wohnungen im Neubaugebiet im Holzmoor Nord. Der Bebauungsplan sieht den Bau von bis zu 7 geschossen Gebäuden vor. Das ist höher als das derzeit höchste Gebäude in Querum, der Kirchturm von St. Lukas. Ich verstehe nicht, warum die Zahl der Wohnungen im Vergleich zur ursprünglichen Aussage 2015 mindestens verdoppelt werden soll. Schließlich antwortete Herr Leuer auf eine Anfrage des Bezirksrates 112 im Rahmen einer Stellungnahme am 18.03.2015, dass „eine Bebauung mit gereihten Stadthäusern und bis zu viergeschossigen Mehrfamilienhäusern geplant“ ist und im „Geltungsbereich des Bebauungsplans „Holzmoor – Nord“ … ca. 320 Wohneinheiten vorgesehen“ sind. Im aktuellen Bebauungsplan sind nun bis zu 7 Geschosse vorgesehen und „ca. 650 Wohneinheiten“, ohne klare Begrenzung. Einige Berechnungen (LeHoWa) kommen derzeit auf 793 mögliche Wohnungen.

Dieses Bauvorhaben wird den Charakter des Stadtteils Querum erheblich verändern. Durch die beiden Baugebieten Dibbesdorferstr. (500) und im Holzmoore Norde (1500) kommen 2000 Einwohner hinzu. Bei einer derzeitigen Einwohnerzahl von 2000 bedeutet das einen Zuwachs um 50%. Die Infrastruktur (Straßen, insbesondere Fahrrad- und Fußwege sowie Schulen und Kitas) sind schon jetzt überlastet und bei weitem nicht in der Lage, eine Steigerung der Einwohnerzahl um 50% innerhalb weniger Jahre zu verkraften. Im Verkehrsgutachten „Verkehrsuntersuchung für den Nordosten Braunschweigs“ (WVI GmbH, Ergebnisbericht, Mai 2018, S.13) wird für die Bevenroder Straße für das Jahr 2016 bereits festgestellt, dass insbesondere die Ortsdurchfahrt Querum nicht mehr leistungsfähig ist. In Fahrtrichtung Norden ist die Kapazität der Strecke erreicht und in Richtung Süden „ist die Strecke in der Spitzenstunde als überlastet anzusehen“. Jeden morgen beobachte ich zudem die Überlastung des gemeinsamen Fuß- und Fahrradweges an der Bevenroderstraße durch Schulkinder auf dem Schulweg. Insbesondere die Kinder, die zu Fuß Richtung Norden gehen und die Kinder, die mit dem Fahrrad Richtung Süden fahren kommen sich täglich in die Quere. Wie sollen sichere Schulwege für eine so große Zahl von Kindern (vermutlich auch hier 50% mehr als derzeit) zur Verfügung gestellt werden, wenn schon jetzt die Kapazitäten nicht ausreichen? Auch aus baulicher Sicht fügt sich das neue Baugebiet in keiner Weise in die bestehende Bebauung ein. Die Gesamthöhe soll im Randbereich 14,5m betragen, die angrenzenden Häuser waren auf maximal 7m beschränkt. Sowohl südlich als auch nördlich angrenzend finden sich lediglich maximal 1,5 geschossige Häuser. Derzeit ist das höchste Gebäude in Querum der Kirchturm von St. Lukas mit 22m. Die Planung bezieht jedoch auch ein Gebäude mit bis zu 23,5 m Höhe und 7 Geschossen ein. Damit ist es höher als jedes andere Gebäude in Querum und fügt sich in keiner Weise in das Gesamtbild des Ortes ein.

Auch auf den Naturraum Auenlandschaft an der Wabe nimmt die Bauplanung keine Rücksicht. So wurde die westliche Baugrenze im Vergleich zu den Bebauungen im Süden und Norden um mehrere Meter nach Westen Richtung Auenlandschaft verschoben. Im südlich angrenzenden Gebiet war ein Mindestabstand zur Wabe von 70m vorgegeben, hier jedoch sollen mehrere bis zu 5 geschossige Gebäude bis zu 53m an die Wabe heranreichen. Ich fordere, dass hier der Mindestabstand von 70m ebenso wie an den angrenzenden Gebieten eingehalten werden muss.

Die Notwendigkeit dieser besonders dichten Bebauung stammt aus einer Prognose zur Bevölkerungsentwicklung von 2017 und sieht einen Mehrbedarf von 3.100 bis 8.850 Wohneinheiten vor. Die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung zeigt derzeit jedoch keine so große Steigerung, aktuelle Prognosen aufgrund der aktuellen statistischen Zahlen der Stadt Braunschweig gehen von einem Bedarf von 4850 Wohnungen aus (LeHoWa). Hier sollten aktuelle Zahlen hinzugezogen werden, bevor ein so starker Eingriff in den Ortsteil Querum vorgenommen wird. Zudem sollten weitere geplante Baugebiete wie die Bahnhofsstadt in die Planungen mit einbezogen werden.

Daher fordere ich, die Höhe der Gebäude auf maximal 2 Geschosse plus Staffelgeschoss zu begrenzen, damit der Höhenunterschied etwas gemildert wird. Die maximale Zahl an Wohnungen sollte festgelegt werden. Zudem sollte der Abstand zu Wabe von 70m eingehalten werden. Nur so kann ein Mittelweg gefunden werden zwischen notwendiger Schaffung von Mietwohnungen und der Auslastung der vorhandenen Infrastruktur sowie der Einbettung der neuen Wohnanlage in die bestehende Bebauung.

Insgesamt sehe ich in dem Baugebiet einen Verstoß gegen §34 Absatz 1 BauGB: „Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. … ;das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden.“ Das Ortsbild wird durch den vorliegenden Bebauungsplan wie oben ausgeführt beeinträchtigt durch die Bebauungsdichte, die Gebäudehöhe und den Abstand zur Wabe. Daher bezweifele ich die Zulässigkeit des Bebauungsplanes. Ich bitte hiermit um Klärung des Sachverhaltes.

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